Korallen im Roten Meer und speziell in Ägypten, gelten als besonders widerstandsfähig gegenüber Umweltveränderungen. Überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen und zusätzliche Stressfaktoren belasten die Gesundheit der Korallen jedoch auch dort zunehmend.
Ein mehr wie sichtbares Zeichen dieser Belastung: Die Korallenbleiche. Neben vorausgegangen Bleichen, kam es in Ägypten im Laufe des Jahres 2024 zu einer außergewöhnlich starken und ausgeprägten Bleichperiode.
Diese setzte den Korallenriffen erheblich zu und vielerorts sind Korallen der Bleiche zum Opfer gefallen. Die Auswirkungen davon veränderte die betroffenen Riffe deutlich sichtbar und erhöht die Belastung eines ohnehin empfindlichen marinen Ökosystems.
Hier im Beitrag erfährst du:
- Wo, wie und warum die Korallenbleiche in Ägypten 2024 so ausgeprägt war
- Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und Daten vorliegen
- Wie schnell Korallen im Roten Meer wachsen
- Warum es noch Hoffnung für die Riffe im Roten Meer gibt
- Wie die Korallenriffe in Ägypten aktuell aussehen
Inhaltsverzeichnis
Warum sterben Korallen im Roten Meer? Ursachen für Schäden in Ägypten
Der Hauptgrund für das Korallensterben in Ägypten ist, wie auch global gesehen, der Einfluss von zu hohen Umgebungs- beziehungsweise Wassertemperaturen.
Während sich vergangene Bleichereignisse in Ägypten (2012, 2020, 2023) vorwiegend auf den Süden des Landes beschränkten, kam es im Sommer 2024 zu einer Ausnahmesituation.
Neben einer ungewöhnlich früh einsetzenden und ausgeprägten Hitzewelle, spielten auch noch andere Faktoren mit ein, die den Wasseraustausch und somit die natürliche Kühlung des Meeres negativ beeinflussten:
-
extrem niedrige Wasserstände während den Gezeiten
-
ungewöhnlich geringe Windgeschwindigkeiten
-
veränderte Strömungsmuster
Das alles zusammen, in Kombination mit einer früh einsetzenden und lang anhaltenden Hitzewelle, verursachte eine Korallenbleiche kaum da gewesenen Ausmaßes.
Quelle: Hanafy MH, Mohammed AH, Hussien MM, Attalla TM, Ghallab A, Dosoky MYA (2025). Red Sea Coral Bleaching Event: The 2024 Coral Bleaching Event and Recovery along the Egyptian Coast. HEPCA’s Periodic Report on Coral Reefs Status in the Red Sea. HEPCA, Egypt, pp. 1-10. https://www.hepca.org/projects/conservation/bleachwatchegypt2024
In meinem zusätzlichen Info-Beitrag erfährst du alles über Korallenbleiche! Neben den Ursachen und Folgen, ist dieser Artikel vollgepackt mit vielen wissenswerten und auch aktuellen Informationen:
- Wie entsteht Korallenbleiche? – einfach und verständlich erklärt
- Warum bleichen Korallen und werden weiß? – ist eine Erholung möglich?
- Was kann man gegen Korallenbleiche tun?
- Welche wissenschaftlichen Prognosen gibt es für die Zukunft?
- Wie ist die aktuelle globale Situation?

Korallenbleiche ist ein ernsthaft ökologisches und globales Problem geworden. Unter gewöhnlichen Umweltbedingungen handelt es sich um einen natürlichen Vorgang, der vereinzelt und periodisch auftritt sowie auch kaum nennenswerte Schäden verursacht. Leider kam
Wo sind Ägyptens Korallenriffe am stärksten betroffen?
Wie schon bereits angedeutet, beschränkten sich die sogenannten „Bleaching Events“ der letzten Jahre auf südliche Gefilde. Durch die ausgeprägte Korallenbleiche in 2024 waren aber erstmals auch nördliche Regionen um Hurghada nennenswert betroffen.
Die südlichen Regionen um Marsa Alam, traf es in diesem Zeitraum noch härter als in vergangenen Jahren. Noch schlimmer sah es im äußersten Süden aus. Hier entstanden zum Teil massive Schädigungen an den Korallenriffen.
Die Bleichraten in den südlichen Regionen (Wadi El Gemal) wurden seitens der HEPCA mit 50,1 % gebleichten Kolonien als die stärksten Auswirkungen verzeichnet. Hingegen Hurghada mit 9% die niedrigsten Werte aufwies. Die übrigen untersuchten Regionen bewegten sich innerhalb dieser Spanne.
Küstennahe und halbgeschützte Riffe waren demnach besonders stark betroffen. In sämtlichen Regionen wurden mehr Korallen im mittleren Tiefenbereich (5 bis 10m) als im Flachwasserbereich geschädigt. Was durchaus sehr ungewöhnlich ist und auch absolut nicht der Regel entspricht.
Quelle: Hanafy MH, Mohammed AH, Hussien MM, Attalla TM, Ghallab A, Dosoky MYA (2025). Red Sea Coral Bleaching Event: The 2024 Coral Bleaching Event and Recovery along the Egyptian Coast. HEPCA’s Periodic Report on Coral Reefs Status in the Red Sea. HEPCA, Egypt, pp. 1-10. https://www.hepca.org/projects/conservation/bleachwatchegypt2024
Korallenbleiche in Ägypten 2025
Gab es in 2025 wieder ähnliche Verhältnisse wie in 2024? Kam es wieder zur einer massiven Korallenbleiche in Ägypten? Derzeit liegen leider wohl noch keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien für das vergangene Jahr vor. Dennoch gibt es erfasste Daten bzw. Temperaturverläufe.
Schaut man sich den von der NOAA aufgezeichneten Temperaturverlauf an, war es in 2025 wesentlich kühler als in 2024. Jedoch herrschten 2025 annähernd ähnliche Verhältnisse wie in 2023. Leider kam es in diesem Zeitraum auch schon zu Schädigungen von Korallen in südlichen Regionen.
Die maximalen Temperaturen waren 2025 dennoch niedriger und auch die Zeitspanne der übermäßigen Wärme war kürzer als in 2023. Daraus schließend könnte man davon ausgehen, dass in 2025 keine massiven Schädigungen durch zu hohe Wassertemperaturen entstanden sind.
Zumindest nicht in dem Ausmaß wie bei der ausgeprägten Korallenbleiche in 2024. Zur besseren Veranschaulichung, findest du anbei noch ein Video mit dem Temperaturverlauf vom Roten Meer von Anfang 2023 bis Ende des Jahres 2025.
Video:
Korallenbleiche Rotes Meer
Das Video zeigt die Stressbelastung für die Korallen im Roten Meer von Anfang 2023 bis Ende 2025. Zudem werden hier auch die neuzeitlichen Alarmstufen (AL3 bis AL5) der NOAA dargestellt.
Bis Dezember 2023 gab es bei der NOAA Coral Reef Watch lediglich AL1 und AL2. Für Fälle in denen extreme Hitzebelastung die Bedingungen der Alarmstufe 2 übersteigt, wurden die neuen Alarmstufen (AL3 bis AL5) eingeführt.
Die bisherigen Stufen reichten einfach nicht mehr aus, weil die extremen Hitzewellen in 2023/2024 deutlich stärkere Schäden verursacht haben.
Quelle: NOAA Coral Reef Watch
Auch wenn die Hitzeperioden in Slow-Motion dargestellt sind, läuft das Video relativ schnell ab. Auf Anhieb erkennt man wohl nicht alles ganz genau.
Deshalb und vor allem auch zur besseren Darstellung, habe ich in der weiter unten aufgeführten Tabelle, die Zeiträume der einzelnen Alarmstufen erfasst.
Zunächst jedoch: Was bedeuten die einzelnen Alarmstufen und welche Auswirkungen haben sie?
| Stresslevel | Beschreibung | DHW | Auswirkung |
|---|---|---|---|
| Leicht erhöhte Temperatur (0 bis 1°C über Normal) | DHW 0 | Keine Schäden, aber erhöhte Aufmerksamkeit | |
| Temperarturgrenze überschritten | DHW 0-4 | Korallen beginnen gestresst zu reagieren - Bleiche möglich | |
| Deutlich zu warm | DHW 4–8 | weitflächige Bleiche möglich | |
| Länger anhaltender Stress | DHW 8–12 | Erste hitzeempfindliche Korallenarten können sterben | |
| Starker Hitzestress | DHW 12–16 | Mehrere Arten betroffen - erhöhte mögliche Sterblichkeit | |
| Extremer und lang anhaltender Stress | DHW 16–20 | Über 50% Sterblichkeit möglich | |
| Maximaler Hitzestress | DHW > 20 | 80% oder mehr der Korallen können sterben |
Anmerkung zur Tabelle: DHW steht für „Degree Heatings Weeks“. Sinngemäß übersetzt -aufaddierte Hitzewochen oder auch angesammelter Hitzestress.
Zum Verständnis: DHW ist ein Wert der sich aus Zeit und übermäßiger Wärmebelastung zusammensetzt.
Er gibt an, wie stark und wie lange Korallen zu warmem Wasser ausgesetzt sind. Je höher der Wert, desto intensiver die Wärmebelastung.
Tabelle:
Hitzestress in Ägypten
Der Beginn und das Ende der einzelnen Zeiträume richtet sich nach erster und letzter Aufzeichnung bzw. dem ersten Auftreten der jeweiligen Alarmstufe in ägyptischen Gewässern. Das Kürzel „AL“ steht für Alarmstufe (Alert-Level).
| Stresslevel | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|
| 08.06. - 19.10.23 | 14.06. - 25.10.24 | 01.07. - 12.10.25 | |
| 11.07. - 06.10.23 | 23.06. - 06.10.24 | 11.07. - 22.09.25 | |
| 26.07. - 06.10.23 | 13.07. - 06.10.24 | 28.07. - 22.09.25 | |
| 10.08. - 02.10.23 | 23.07. - 06.10.24 | 08.08. - 22.09.25 | |
| 22.08. - 02.10.23 | 02.08. - 06.10.24 | 24.08. - 22.09.25 | |
| ❌ | 11.08. - 06.10.24 | ❌ | |
| ❌ | 20.08. - 06.10.24 | ❌ |
Wie man anhand der erfassten Zeiträume eindeutig erkennen kann: 2024 war eine echte Katastrophe für die Korallenriffe in Ägypten. Die früh einsetzende Sommerwärme im Juni, ging zügig auf Alarmstufe 1 und darauffolgend zu einer lang anhaltenden Alarmstufe 5 über.
Das vergangene Jahr war zum Glück weit ab von diesen mehr wie ungünstigen Bedingungen. 2025 zeichnet sich durch eine relativ spät einsetzenden Sommerwärme sowie einer kürzeren und maximal erreichten Alarmstufe 3 aus.
Sicherlich suboptimal aber dennoch deutlich milder als in 2024 oder auch 2023. Letztendlich werden es nur meeresbiologische Studien eindeutig belegen können, in weit diese Bedingungen den Korallen in Ägypten zugesetzt haben.
Was für 2026 zu erwarten ist, steht noch in den Sternen. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu stark ausgeprägten marinen Hitzewellen kommt und die Temperaturen sich in vertretbaren Grenzen halten werden.
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Können sich Ägyptens Korallenriffe wieder erholen?
Nach jeder Korallenbleiche in Ägypten haben sich eine Vielzahl der gebleichten Korallenkolonien wieder erholt. Das ist durchaus möglich und passiert auch regelmäßig. Fakt ist aber auch, dass je nach Region und Intensität einer Bleichperiode, meist ein gewisser Anteil Korallen abstirbt und dann nun mehr als totes Kalkskelett den Meeresboden ziert.
Macht man sich bewusst wie lange Korallen benötigen um zu einer stattlichen Größe heranzuwachsen, schwindet die Hoffnung auf gänzliche Erholung. Die Wuchslängen der letzten Jahrzehnte im Roten Meer (Sudan) betrugen, nach wissenschaftlicher Studie, nur noch weit unter 0,5 Zentimeter pro Kalenderjahr.
Das war nicht immer so. Im Zeitraum von 1980 bis 1991 wurden noch jährliche Wuchslängen von deutlich über 2 Zentimetern verzeichnet. Während es also damals10 Jahre brauchte um ca. 25 Zentimeter Korallenwachstum zu verzeichnen, würde dies heutzutage weit über 60(!) Jahre dauern.
Erschreckend beeindruckend. Warum hat sich das Wachstum der Korallen im Roten Meer (Sudan) so verlangsamt? Absolut sicher ist man sich wohl nicht. Als zentrale Ursache sieht man die klimatischen sowie auch die durch zu hohen CO₂-Ausstoß verursachten Bedingungen.
In diesem Fall: Die Ozeanversauerung.
Ozeanversauerung?! Die Meere werden immer saurer, weil sie immer mehr Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft aufnehmen. Das CO₂ wird im Wasser zu Kohlensäure. Dies senkt den pH-Wert des Ozeans und behindert mutmaßlich Schalentiere, wie auch Korallen, beim Aufbau ihrer kalkhaltigen Strukturen.
Sinkt der pH-Wert zu stark, wird Kalk nicht nur immer schwerer gebildet. Schlimmer noch: Bereits vorhandene Kalkschalen werden instabil, brüchig und könnten sich theoretisch sogar komplett auflösen.
Wer es nicht ganz versteht: Die durch CO₂ entstandene Kohlensäure wirkt dann genauso wie Zuhause der Entkalker (z.B. Zitronensäure) in der Kaffeemaschine oder Wasserkocher. Nur werden hierbei ungewollte Kalkablagerungen angegriffen.
Quellen: Bericht auf Welt.de in Verbindung mit Studie von Sarah Abdelhamid
Gibt es Hoffnung für die Riffe im Roten Meer?
Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt. Klimaerwärmung, Ozeanversauerung und der Eintrag von Schadstoffen setzt den Korallenriffen immer mehr zu. Eine kurz- oder gar mittelfristige Besserung, ist zum aktuellen Zeitpunkt wohl kaum zu erwarten.
Dennoch gibt es nennenswerte Zeichen der Hoffnung. Zumindest im Bezug auf die klimatischen Bedingungen: Eine Vielzahl der Korallen im nördlichen Teil des Roten Meeres (Golf von Aqaba) haben die vergangene Korallenbleiche in 2024 relativ schadlos überstanden.
Die Auswirkungen waren zwar zuletzt auch dort deutlich erkennbar aber viele der angegriffenen Korallenkolonien haben sich nahezu vollständig regeneriert. Und das trotz erheblicher und lang anhaltender Wärmebelastung.
Illustration aus der Studie von Na’ama-Rose Kochman und Maoz Fine – lizensiert durch CC BY 4.0 – übersetzt und angepasst mit KI / ChatGPT (GPT‑5 mini), OpenAI
Warum ist das so? Der Golf von Aqaba gilt weltweit als Klimarefugium. Durch tausende Jahre Evolution, haben sich die dort lebenden Korallen weitgehendst an die klimatischen Bedingungen angepasst.
Selbst längerfristige Temperaturerhöhungen von 5 °C über dem Durchschnittswert, wurden nahezu schadlos überstanden. Das ist in dieser Weise weltweit einzigartig und steht im Fokus vieler Forschungsprojekte.
Ein bedeutender Hoffnungsschimmer. Nicht nur für die Korallen im Roten Meer, sondern letztendlich für alle Korallenriffe dieser Erde.
Ägypten: Wie sehen die Korallenriffe aktuell aus?
Den aktuellen Zustand der Korallenriffe in Ägypten zu beurteilen, ist nicht unbedingt einfach. Pauschal könnte man sagen, dass es im nördlichen Küstenbereich wohl noch relativ gut aussieht.
Weiter südlich, ab El Quseir zu Marsa Alam, ist mit zunehmenden Bleichschäden zu rechnen. Die dann noch weiter südlich liegend, in der Region um Wadi El Gemal, wohl ihr volles Ausmaß zeigen.
Sehr wahrscheinlich gibt es in einzelnen Regionen Ausnahmen oder auch Küstenabschnitte, die es wohl weniger hart getroffen hat. So zumindest meine persönliche Einschätzung, von dem was ich über soziale Medien mitbekommen habe und auch zum Teil aus der Studie von der HEPCA ableiten kann.
Allerdings bin ich selbst weder studiert, promoviert oder ein Meeresbiologe. Auch mein letzter Urlaub in Ägypten lässt hier wohl alles andere als eine fundierte Aussage zu. Insgesamt bleibt es meinerseits nur bei einer sehr starken Vermutung.
Deshalb und auch um einen besseren Überblick zu bekommen, habe ich mal ein paar Menschen angeschrieben die es wissen oder auch eine fachliche Einschätzung dazu abgeben können.
So sehen die Korallenriffe im Roten Meer aktuell aus – Experteneinschätzungen
Frage von Dive&Discover an Professor Maoz Fine – Hebräische Universität Jerusalem – Untersuchung der Widerstandsfähigkeit von Korallenriffen gegenüber Umweltveränderungen.
Wie würden Sie den aktuellen allgemeinen Gesundheitszustand der Korallenriffe im Roten Meer bewerten, insbesondere vor dem Hintergrund des ausgeprägten Bleaching Events im Jahr 2024?
Antwort von Maoz Fine (eigene Übersetzung):
„Der Gesundheitszustand der Korallenriffe im Roten Meer ist heterogen (Heterogen = verschiedenartig, nicht einheitlich – Anm. d. Red.) Während viele Riffe – insbesondere im nördlichen Roten Meer und im Golf von Aqaba – eine bemerkenswerte Resistenz gegenüber massenhafter Korallenbleiche gezeigt haben, machte die schwere marine Hitzewelle des Jahres 2024 deutlich, dass keine Region vollständig vor Klimaextremen geschützt ist.
Einige Riffe erlebten erhebliche Bleiche und funktionellen Stress, selbst dort, wo die Mortalität (Mortalität = Sterblichkeit – Anm. d. Red.) gering blieb. Dies unterstreicht sowohl die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit der Korallen im Roten Meer als auch die dringende Notwendigkeit, lokale Stressoren zu reduzieren und die globalen Treibhausgasemissionen zu senken, wenn diese Ökosysteme langfristig bestehen sollen.“
An dieser Stelle: Vielen herzlichen dank an Maoz Fine. Wer mehr über seine Arbeit zur Korallenforschung erfahren möchte, findet hier seine Webseite mit vielen interessanten Informationen zu laufenden Projekten.
Frage von Dive&Discover an Sarah Abdelhamid – Master of Sience / Hauptautorin der Studie: Korallenwachstum im Sudan der letzten Jahrzehnte
Wie würdest du den aktuellen allgemeinen Gesundheitszustand der Korallenriffe in Ägypten bewerten, insbesondere vor dem Hintergrund des ausgeprägten Bleaching Events im Jahr 2024?
Antwort von Sarah Abdelhamid:
Der allgemeine Gesundheitszustand der Korallenriffe im ägyptischen Teil des Red Sea gilt weiterhin als vergleichsweise gut, doch das Bleaching-Event von 2024 hat gezeigt, dass auch diese bislang resilienten Systeme zunehmend unter Druck geraten. Dabei zeigt sich ein klares Nord-Süd Gefälle.
Die Stärke des Bleichens nimmt nach Süden hin, also südlich von Marsa Alam deutlich zu. Riffe im Bereich von Marsa Alam wiesen deutlich höhere Anteile stark gebleichter oder bereits abgestorbener Korallen auf, während nördlichere Standorte – etwa um Hurghada – weiterhin überwiegend geringe oder nur moderate Auswirkungen zeigten.
Besonders relevant bleibt dabei der Gulf of Aqaba, der lange als eines der wichtigsten thermischen Korallen-Refugien weltweit galt. Die Ereignisse von 2024 zeigen jedoch, dass selbst diese potenziellen Refugien zunehmend durch intensivere und länger andauernde marine Hitzewellen gefährdet sind.
Auch hier: Vielen herzlichen dank für deine Zeit, Sarah! Sarah ist derzeit bei dem Projekt Turtle Watch Egypt 2.0 und im Bereich Freitauchen sowie als Relaqua Instructor in der Soma Bay aktiv.
Frage von Dive&Discover an Nina Dietrich – Master of Arts und Geschäftsführerin bei der NiCe Dive & Trips GmbH (Tauch- und Erlebnisreisen):
Wie schätzt du den aktuellen Zustand der Korallenriffe im Roten Meer ein? Wo sieht es deiner persönlichen Einschätzung nach noch gut und wo weniger gut aus?
Antwort von Nina Dietrich:
Aus meiner persönlichen Sicht ist der Zustand der Korallenriffe im Roten Meer sehr unterschiedlich zu bewerten. Es gibt nach wie vor Gebiete, in denen die Riffe beeindruckend schön, artenreich und insgesamt in einem sehr guten Zustand sind. Gleichzeitig sieht man aber auch an manchen Orten sehr deutlich, dass Korallen sensibel auf Veränderungen reagieren und dass Belastungen zugenommen haben.
Gerade in Teilen Ägyptens habe ich den Eindruck, dass stark frequentierte Spots teilweise mehr unter Druck stehen, sei es durch intensive touristische Nutzung, unachtsames Verhalten im Wasser oder auch durch steigende Wassertemperaturen. Dort wirken manche Riffe nicht mehr so vital wie noch vor einigen Jahren. Trotzdem gibt es auch in Ägypten weiterhin Regionen und Plätze, an denen man wunderschöne, gesunde Korallenlandschaften erleben kann.
In Saudi-Arabien nehme ich viele Gebiete momentan noch als sehr ursprünglich wahr. Dort gibt es aus meiner Sicht noch zahlreiche Riffe, die in einem besonders schönen Zustand sind, mit viel intakter Struktur und einer beeindruckenden Unterwasserwelt. Genau das macht diese Region für viele Taucher aktuell so besonders.
Aber ich muss auch ehrlich sagen: Unberührt heißt leider nicht unverwundbar. Besonders wenn ich mir die oberen 10 Meter ansehe, blutet mir manchmal das Herz. Gerade im tiefen Süden, merkt man den Einfluss der extremen Hitze im Sommer. Da fühlt sich das Wasser obenrum an wie eine warme Badewanne, und genau in dieser flachen Zone sieht man dann die Folgen: Die Korallen verlieren ihre Farbe oder sterben stellenweise ab, weil ihnen schlichtweg zu heiß wird. Es ist ein absoluter Kontrast, man taucht an einem völlig einsamen Spot ohne ein anderes Boot weit und breit, sieht aber trotzdem, dass die Natur auch dort mit den steigenden Temperaturen kämpft.
Welche Rückmeldungen bekommst du von deinen Kunden? – Bezüglich dem Zustand der Korallen im Roten Meer.
Was ich von Reisenden immer wieder höre, ist, dass sie im Roten Meer nach wie vor von der Farbenvielfalt, der Fischdichte und der Schönheit vieler Tauchplätze begeistert sind. Gleichzeitig berichten einige aber auch, dass sie an bestimmten Spots Veränderungen wahrnehmen, etwa weniger kräftige Korallenbilder oder Abschnitte, die nicht mehr so lebendig wirken wie erwartet.
Ich glaube, man kann das Rote Meer insgesamt noch immer als eine faszinierende und in vielen Bereichen sehr beeindruckende Tauchregion bezeichnen. Aber es ist auch klar, dass wir nicht davon ausgehen dürfen, dass diese Schönheit selbstverständlich bleibt. Umso wichtiger ist ein bewusster, respektvoller Umgang mit diesen sensiblen Ökosystemen.
Wer das Rote Meer seit Jahren kennt, spürt, dass sich etwas verändert. Noch immer gibt es wunderschöne, lebendige Riffe, und Tauchen im Roten Meer lohnt sich aus meiner Sicht nach wie vor auf jeden Fall. Aber gerade, weil dieses Ökosystem so besonders und zugleich so verletzlich ist, sollten wir alle achtsamer damit umgehen und unseren Beitrag leisten, es zu bewahren.
Vielen lieben Dank Nina für die Beantwortung der Fragen! Deine Worte liegen mehr als nah zu meinen Gedanken. Wer Interesse hat, findet auf Nina’s Webseite ein breites Angebot an exklusiven sowie individuellen Tauch- und Erlebnisreisen.
Fazit: Korallen im Roten Meer
Die Korallen im Roten Meer hat es die letzten Jahre wirklich hart getroffen und die vergangenen Bleichereignisse haben deutlich sichtbare Schäden hinterlassen. Vollkommen intakte Korallenriffe vorzufinden, wird wohl von Jahr zu Jahr immer mehr zur Herausforderung.
Dennoch trifft man dort und in Ägypten, immer noch auf bunte und lebendige Korallenriffe die seines gleichen suchen. Man kann nur hoffen, dass es nicht erneut zu ausgeprägten marinen Hitzewellen kommt und die Korallen nicht übermäßig belastet werden.
Und nicht nur deshalb, ist es absolut wichtig verantwortungsvoll und achtsam mit dem Lebensraum Meer umzugehen. Denn ein jeder trägt einen Teil der Verantwortung dafür. Zumindest im eigenem Rahmen und den entsprechenden Möglichkeiten.
Wenn jeder seinen kleinen Beitrag leistet, wäre den Korallen, dem Meer und auch dem gesamten Planeten schon mehr wie geholfen. Wie ist deine Meinung dazu? Hast du eine? Schreibe mir in die Kommentare nach dem Beitrag!
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